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Von Dankbarkeit und Luxusproblemen Mai 13, 2011

Filed under: ich — wagnerwahn @ 9:10 pm

Wißt ihr, in letzter Zeit wird mir immer wieder vor Augen geführt, wie verdammt glücklich ich mich schätzen kann.

Da ist die Sache mit Job1, die Arbeit mit behinderten Menschen. Komplettes Spektrum. Die Jugendlichen hier, mit Gendefekten, Sauerstoffmangel unter der Geburt, Fehlbildungen… Klar, sie kennen es nicht anders, aber hallo, sie haben Augen im Kopf und sind sich ihrer Einschränkungen durchaus bewußt. Sie brauchen Hilfe bei den z.T. kleinsten Handgriffen oder Toilettengängen und doch haben sie ein wirklich gesundes Selbstbewußtsein. Beispiel? Eines meiner Rolli-Mädels, deren Behinderung sich „nur“ auf´s körperliche bezieht, ist heute Abend mit ihren Freundinnen in der Disco unterwegs. Sie sagte mir, es ist ihr egal, was die anderen sagen oder denken, sie möchte einfach Spaß. Punkt. Und ich olle Memme ziehe meinen Hut.

Die Erwachsenen, die ich hier betreue, lebten einmal ein ganz normales Leben. Mit Schule, Ausbildung, Job, Studium…allem pipapo, wie ihr, oder ich. Und dann passierte es. Ein Unfall. Oder Tumor. Schwerste Schädel-Hirn-Traumen sind dafür verantwortlich, dass sie nun alle im Rolli sitzen, sich mehr oder weniger an ihr altes Leben erinnern, damit klar kommen müssen. Die alten Freunde verschwinden bei den einen, bei den anderen aber nicht… Da ist R., die auch nach knapp 1 Jahr meinen Namen nicht behalten kann und sich jedesmal ärgert über ihre Vergeßlichkeit, S, der seine Behinderung kaum wahrnimmt, viel im gestern lebt, als er der Playboy schlechthin war, F.,dessen Atemzentrum durch einen Tumor gestört ist und der an der Beatmungsmaschine hängt, nicht mehr spricht oder ißt, und von wirklich bösen Wahnvorstellungen gequält wird… Und doch, alle sie empfinden Freude am Dasein, suchen sich ihre Nischen, kämpfen und lachen. Wie wir. Und doch anders.

Und von den Erkrankungen im nahen und fernen Umfeld mag ich gar nicht sprechen.

Allein die Gesundheit ist so ein kostbares Gut und leider nicht unendlich… da ist die picklige Stirn, das fehlende Kleid für die Feier, das magere Konto, der nervige Nachbar doch wahrlich ein Luxusproblem.

Einfach mal meine Sicht der Dinge…

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3 Responses to “Von Dankbarkeit und Luxusproblemen”

  1. fraumuemmel Says:

    Wahre Worte. Meist wird einem erst bewusst wie wertvoll die Gesundheit ist, wenn es einem schlecht geht. Danke, dass du daran erinnerst.

  2. hari Says:

    schön geschrieben 🙂

  3. bodenseeoma Says:

    Leben ist ein Geschenk und wenn man genau hinschaut findet man immer etwas Schönes (was meistens auch kein Geld kostet) Ich freu mich auch ganz neu und bin dankbar.


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